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Jahresrundbrief 2016

Liebe FörderInnen, liebe SpenderInnen, liebe Interessierte
wie jedes Jahr wenden wir uns an Sie, um Sie über unsere Arbeit und die
Entwicklungen des Vereins Frauen helfen Frauen e.V. zu informieren.
Zu Beginn möchten wir uns nochmal kurz vorstellen: Der Verein Frauen helfen Frauen e.V. Wuppertal wurde 1978 gegründet und ist Träger des Frauenhauses und der Beratungsstelle. Der Arbeitsschwerpunkt des Vereins liegt in der Bekämpfung struktureller und männlicher Gewalt an Frauen und deren Kindern. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung bzw. das Beheben individueller Notlagen, sondern auch um eine Veränderung der gesellschaftlichen Situation von Frauen und Kindern. mehr lesen »

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Presseerklärung Ministerin Steffens vom 30.9.2016:
Frauen erkranken doppelt so häufig an einer Depression wie Männer –
Zu oft wird Gewalt in Partnerschaft als Ursache übersehen. hier lesen »




"Schaust du hin?" – Gemeinsam gegen häusliche Gewalt




Plakate der Ausstellung
02. bis 29. Januar, verlängert bis 26. Februar 2015
im Sparkassenfoyer am Islandufer






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Jahresrundbrief 2016 weiter lesen:


... Das Frauenhaus und seine externe Beratungsstelle sind Facheinrichtungen im Hilfesystem gegen Gewalt an Frauen und ihren Kindern, die frauenparteilich und nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe arbeiten. Hilfe suchende Frauen befinden sich mit ihren Kindern in einer existentiellen Krise und /oder verschärften Konfliktsituation. Unsere Aufgabe ist es, den Frauen und Kindern in dieser speziellen Situation professionelle Hilfe und Unterstützung anzubieten.
Der Verein ist parteipolitisch, konfessionell und von Dachver- bänden unabhängig und arbeitet selbst verwaltet (autonom). Zu einem großen Teil werden unsere Einrichtungen über die Stadt Wuppertal und durch das Land Nordrhein-Westfalen fi- nanziert. Die Zuschüsse sind jedoch seit vielen Jahren gedeckelt.
Unsere Aufgabe ist es, die steigenden Restkosten von inzwischen rund 35.000€ im Jahr über Spenden und Beiträge selbst zu beschaffen. Eine große Aufgabe, die uns viel Zeit, Ideen und Engagement abverlangt.


Frauenhaus
Das Frauenhaus ist gewachsen! Wir haben die Hausaufteilung neu organisiert und ein Zimmer gewonnen, das wir als weiteres Einzelzimmer bzw. für eine Frau mit Säugling oder Kleinkind anbieten können. Somit haben wir jetzt 11 Plätze für Frauen und deren Kinder. Wir freuen uns, nun mehr Frauen aufneh- men zu können, weil in den letzten Monaten die Frauenhäuser in NRW sehr oft voll belegt waren und wir viele Frauen nicht aufnehmen konnten.
In diesem Jahr sind wir auch mit der Renovierung der Zimmer der Bewohnerinnen vorangekommen. Noch immer sind wir damit beschäftigt, die Zimmer nach und nach mit einem neuen, strapazierfähigen Bodenbelag auszustatten. Spenden haben es uns ermöglicht, bis jetzt insgesamt fünf Zimmer zu renovieren. Zusätzlich mussten wir massive Feuchtigkeitsschäden im
Eingangsbereich und im Keller des Frauenhauses feststellen. Ebenfalls durch Hilfe von Spenden konnten wir mit der Beseitigung der Schäden beginnen. Vielen Dank an unsere UnterstützerInnen und die Jackstädt-Stiftung!
Unser Team ist immer bemüht, den Alltag durch schöne Erleb- nisse und gemeinsames Feiern zu bereichern. Das ist auch in diesem Jahr gut gelungen und hat allen großen Spaß gemacht. Was uns besonders gut gefallen hat: Am 17. August fand bei strahlendem Sonnenschein unser beliebtes Sommerfest statt. Ehemalige und aktuelle Bewohnerinnen, die Mitarbeiterinnen und natürlich viele Kinder genossen die gemeinsame Zeit. Die Frauen brachten Salate, Kuchen und alle möglichen Leckereien mit, ein tolles buntes Buffet entstand. Dazu wurde gegrillt und gelacht, das Wiedersehen macht allen immer große Freude. Für die Kinder gab es einen Spielparcours und reichlich Platz zum Toben.
Zu einer festen Einrichtung ist inzwischen auch unser Lichterfest geworden, das an St. Martin ebenfalls in unserem Garten gefeiert wird. In einem kleinen Schauspiel wird die Geschichte erzählt und dazu die traditionellen Lieder gesungen. Die Müt- ter, Jungen und Mädchen backen jedes Jahr Weckfrauen und -männer, dazu gibt es heißen Punsch am Lagerfeuer. Besonders die Kleinsten sind fasziniert von den bunten Laternen und Lichtern, die den Garten schmücken.
Am 24. November gab es für die Bewohnerinnen und einige ältere Jungen und Mädchen ein besonderes Highlight: Uns war es gelungen, die sehr begehrten Freikarten für soziale Einrich- tungen für das Phantasialand zu ergattern. Also gab es einen ganzen Tag lang Spaß und Nervenkitzel auf Achterbahnen und Co, ein Riesenspaß für alle! Vielen Dank an das Phantasialand, es war ein toller Ausflug, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Das Team hat wieder mit viel Engagement ein Freizeitprogramm auf die Beine gestellt, das Raum für neue Erfahrungen schafft und Struktur gibt. Zu den Angeboten gehörte: Tanz, Yoga, Gesprächsrunden zu bestimmten Themen, Kreativ– angebote und Rundfahrten, um die Stadt und ihre wichtigen Anlaufpunkte kennenzulernen.
Auch Wen-Do wird bei uns regelmäßig von einer Trainerin für Mädchen und Frauen angeboten. Teil des Trainings ist das eigenhändige Durchschlagen eines Holzbretts. Die Frauen und Mädchen sind von ihrer eigenen Kraft immer sehr überrascht, wenn das Brett schließlich in zwei Teilen vor ihnen liegt. Das bringt Selbstvertrauen für andere Situationen, in denen Durchsetzungsvermögen gefragt ist.


Beratungsstelle bei Häuslicher Gewalt und Stalking
2015 wurden insgesamt 794 Beratungen durchgeführt, davon waren 489 persönliche und 197 telefonische Beratungen oder Kontaktaufnahmen. Fünf Beratungen erfolgten online, 103 Frauen wurden nach einer Wohnungsverweisung angeschrie- ben und erhielten Informationen. Nicht dokumentiert wurden die zahlreichen Telefongespräche und E-Mails und die Beglei- tungen zu Behörden, Anwaltskanzleien, Jugendamt etc..
2002 übernahm der Verein in Absprache mit der Polizei die Beratung Gewalt betroffener Frauen nach polizeilichen Woh- nungsverweisungen und später auch nach Einsätzen Häuslicher Gewalt. Für diese pro-aktive Arbeit stellen wir seit 2004 Anträ- ge an die Stadt Wuppertal für die Finanzierung einer Personal- stelle, die bisher nicht bewilligt wurden. Seit 2002 ist die Anzahl der Fälle kontinuierlich gestiegen, waren es 2002 noch 28, gab es 2015 bereits199 Wohnungsverweisungen und Einsätze bei Häuslicher Gewalt, über die die Beratungsstelle von der Polizei, mit Einverständnis der Betroffenen, informiert wurde.
Im November gab es ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister, dem Stadtkämmerer und einem Vertreter des Sozialamtes, um die finanzielle Situation des Vereins und die Notwendigkeit der Finanzierung der pro-aktiven Arbeit darzustellen. Ende offen!
Wie schon im letzten Rundbrief erwähnt, steigt die Zahl der Flüchtlinge, die in der Beratungsstelle und auch im Frauenhaus Unterstützung suchen. Vermehrt kam es bei Flüchtlingsfrauen zu Polizeieinsätzen wegen Häuslicher Gewalt, bei denen die Betroffenen von dem Unterstützungsangebot erfahren haben. Wir arbeiten in der Beratung eng mit FlüchtlingshelferInnen, Polizei, Opferschutz, Jugendamt und anderen HelferInnen zusammen. Trotzdem ist der Beratungsprozess wegen der Sprachbarriere schwierig und oft ohne DolmetscherInnen nicht möglich. Auch ist meist eine Begleitung bei Ämter- und Behör- dengängen notwendig, was sehr zeitaufwändig ist.
Um effektiv unterstützen zu können, vernetzen wir uns weiter und haben eine Kooperation mit der Frauenberatung und Selbsthilfe e.V. geplant, um Ehrenamtliche und Professionelle zu den Themen Flüchtlinge und Traumata weiter zu schulen, sowie Beratung und Begleitung anzubieten.
Eine Neuerung in diesem Jahr ist das im Rahmen der Nachbe- treuung angebotene Ehemaligentreffen, das wir in zwei Treffen umgewandelt haben. Diese Zusammenkünfte für ehemalige Bewohnerinnen und deren Kinder sind so beliebt, dass wir daraus eine Gruppe für kürzlich ausgezogene und eine Gruppe für Frauen, die schon länger ausgezogen sind, gebildet haben. So haben die Frauen und Kinder, die sich aus der Zeit des Zusammenlebens im Frauenhaus kennen, die Gelegenheit, sich regelmäßig wieder zu sehen. Auch können wir so die Größe der Gruppen reduzieren. Wir freuen uns, dass zahlreiche Frauen dieses Angebot über Jahre hinweg nutzen.


Ein Thema, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden:
In der Beratungsarbeit begegnet uns immer ein Thema, über das wir hier berichten möchten: die Probleme bei den Um- gangskontakten zwischen Kind und Vater nach einer Trennung. Im letzten Jahrzehnt hat sich sehr viel verändert: die Rolle des Vaters hat sich neu definiert und auch die Gerichte haben sich anders positioniert. Wo früher die Mutter als wichtigste Erzieh- ungs- und Bezugsperson gesehen wurde, wird der Vater heute als ebenso wichtig eingestuft. Selbstverständlich begrüßen wir diesen gesellschaftlichen Wandel und finden ihn richtig. Ande- rerseits bringt er für die von Partnergewalt betroffenen Famili- en auch Nachteile. Bei hoch strittigen Familien mit Häuslicher Gewalt wurde bis vor einigen Jahren der Umgangskontakt meist für einige Monate ausgesetzt, so dass Mutter und Kind/er zur Ruhe kommen konnten. Auch gab das den Opfern Gelegenheit, sich zu stabilisieren und sich auf eine anstehende Begegnung vorzubereiten. Fanden Kontakte statt, war meist auch eine professionelle Begleitung möglich. Ein Treffen der Eltern bei der Übergabe des Kindes und eine neue Eskalation der Gewalt konnten so vermieden werden. Auch die Kinder konnten mit einem Treffen in einem geschützten Rahmen besser umgehen.
Die Möglichkeit, den Kontakt auszusetzen, wird heute nur noch sehr selten benutzt. Inzwischen kommt es häufig in kürzester Zeit zu einem Umgangskontakt. Die Übergabe des Kindes von Mutter zu Vater und wieder zurück kann nicht immer von einer vertrauten Person begleitet werden und birgt große Risiken für
Mutter und Kind. Die Situation wird von dem Gewalttäter oft für Beschimpfungen, Drohungen oder körperliche Gewalt ausgenutzt. Teilweise traumatisierte Frauen und Kinder erleben, dass der Täter weiterhin Macht über sie ausüben kann. Ein begleiteter Umgang wird nur noch selten angeordnet, da es hierfür nicht ausreichend entsprechende Angebote gibt. Zudem finden die Kontakte in der Regel am Wochenende statt.
Im sogenannten beschleunigten Verfahren, das eine Entfrem- dung von Vater und Kind verhindern soll, wird der Umgangs- kontakt oft losgelöst von der Gewaltgeschichte verhandelt. Je nachdem wie schnell der Vater nach der Trennung einen Um- gang einfordert, kann das schon einige Tage nach der Trennung sein. Die miterlebten Gewaltsituationen, die Gewalt an sich, die Risiken für die Mutter, die Angst der Kinder, all das wird bei dieser ersten Umgangsverhandlung häufig außen vor gelassen.
Das ist unserer Ansicht nach nicht richtig. Es muss einen Weg geben, bei der Festlegung von Umgangskontakten die Familien- geschichte mehr zu berücksichtigen und zu differenzieren, unter welchen Umständen ein Kontakt eher schadet als nutzt. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, die Fachwelt und die Gesellschaft weiter für häusliche Gewalt zu sensibilisieren und die bestmöglichen Voraussetzungen für die Frauen, Jungen und Mädchen zu schaffen.


Projekt Gewinn Gesundheit
Das Projekt Gewinn Gesundheit Wuppertal wurde auch 2016, inzwischen im 4. Jahr, vom Land NRW weiter gefördert.
Im Rahmen des Projektes wurden verschiedene Veranstaltun- gen und Fortbildungen durchgeführt: eine Fortbildung für ÄrztInnen und Pflegekräfte im Heliosklinikum Wuppertal zum Thema: „Hinsehen – Wahrnehmen – Handeln, Häusliche und sexualisierte Gewalt, Hintergründe und Interventionschancen“ und eine weitere Fortbildung für Hebammenschülerinnen in der Akademie für Gesundheitsberufe, mit dem Schwerpunkt auf Schwangerschaft und Geburt. Im Kinderärztezirkel Wup- pertal wurde über das Projekt Gewinn Gesundheit informiert.
Besonderes Interesse fand in der Öffentlichkeit der Fachtag in der Heliosklinik „(Mit)erlebte Häusliche Gewalt und Kindes- wohl“, an dem 80 Fachleute teilnahmen.
Die Gruppe kooperierender ÄrztInnen hat sich weiter ver- größert. In 22 Praxen unterstützen den Verein Frauen helfen Frauen e.V. circa 40 ÄrztInnen mit ihrer Expertise und beraten Frauen, die Gewalt erlebt haben, gewaltsensibel. Im Laufe des
Jahres wurden alle teilnehmenden Praxen und zwei Notfall- ambulanzen mit Notfallkärtchen für gewaltbelastete Frauen versorgt, die bisher in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Arabisch vorliegen.
Es fanden mehrere Netzwerktreffen in Wuppertal und auf NRW- Ebene statt.
Auf der Website des Vereins Frauen helfen Frauen wurde der Punkt Gesundheit aufgenommen. Auf dieser Seite können Sie die Liste der KooperationspartnerInnen und viele weitere Informationen zu dem Projekt finden. http://www.frauenhaus- wuppertal.de/gesundheit.html. Sie können dort beispielsweise ein Informationsblatt über den Zusammenhang zwischen Häuslicher Gewalt und Depression downloaden.
Zurzeit sind wir mit dem Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW und mit den anderen Gewinn Gesundheit Regionen im Austausch über weitere Finanzierungsmöglich- keiten und über die Erweiterung der Unterstützungsangebote, die in der Beratungsstelle angesiedelt werden könnten.


Danke!
Zum Schluss möchten wir uns bei allen SpenderInnen herzlich bedanken, besonders bei der Jackstädt-Stiftung, die die Sanierung und Renovierung mit 20.000€ unterstützt hat.
Bei betterplace.org wurden bis jetzt 4110,21 € für den Verein gespendet.
Auf der Homepage des Vereins gibt es einen „hier-online-spenden“-Button, dessen Einnahmen von der Stadtsparkasse an zwei Terminen verdoppelt wurden.
Vielen Dank auch an alle anderen SpenderInnen, die mit ihren großen und kleinen Spenden dazu beitragen, dass Frauen und Kinder einer gewaltfreien Zukunft entgegenblicken können!
Über unseren Verein und alle aktuellen Themen können Sie sich jederzeit auf unserer Homepage informieren:
www.frauenhaus-wuppertal.de

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse und hoffen auch im nächsten Jahr auf Ihre Unterstützung.
Ihr Team von Frauen helfen Frauen e.V. Wuppertal


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